Lernen lernen

Weniger tun und mehr erreichen!

Wie lernt ein Schüler das Lernen? Oder konkreter:
Wie kann man mit einem Schüler das Lernen trainieren?

Lernen bedeutet schließlich mehr, als einen Text dreimal zu lesen, Vokabeln auswendig zu lernen oder am Abend vor der Klassenarbeit möglichst viel Stoff in den Kopf zu bekommen.

Wer erfolgreich lernen möchte, muss zunächst drei Fragen beantworten: WAS soll ich lernen? WIE lerne ich es am besten? Und WARUM fällt mir das Lernen manchmal leicht – und manchmal so verdammt schwer?

Genau darum geht es beim Lernen lernen.

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Was soll eigentlich gelernt werden?

Die erste Frage, die geklärt werden muss, ist die Frage danach, WAS überhaupt gelernt werden soll.

Das ist alles andere als klar. Natürlich gibt es Hausaufgaben, die immer auch einen Lern- oder Übungsaspekt haben. Aber was bedeutet beispielsweise die Hausaufgabe, einen Text zu lesen?

Viele Schüler haben den Text tatsächlich gelesen – erinnern sich danach aber kaum noch daran. Eine kritische oder gar über den Text hinausgehende Auseinandersetzung hat erst recht nicht stattgefunden.

Und dann gibt es die Hausaufgaben, die nirgendwo ausdrücklich im Hausaufgabenheft stehen: Unterricht vor- und nachbereiten, Lernstoff wiederholen, Lücken erkennen und rechtzeitig für Klassenarbeiten lernen.

Lernen lernen beginnt deshalb nicht mit einer bestimmten Lernmethode. Es beginnt damit, zu erkennen, was überhaupt zu tun ist.

Wie kommt das Wissen in den Kopf?

Die zweite Frage ist das WIE.

Wie bringe ich die Dinge „in den Kopf“ – und wie sorge ich dafür, dass sie dort auch bleiben?

Wann sind meine produktivsten Lernzeiten? Wo kann ich mich gut konzentrieren? Wie bereite ich einen Text so auf, dass ich ihn nicht nur gelesen, sondern auch verstanden habe? Und was kann ich heute schon für eine Klassenarbeit tun, die erst in zwei Wochen geschrieben wird?

Auf diese Fragen gibt es nicht die eine richtige Antwort.

Ein Schüler lernt gut über Bilder und Zusammenhänge, ein anderer muss Dinge selbst erklären oder aufschreiben. Manchmal helfen Karteikarten, manchmal ein Lernplan – und manchmal muss zunächst der Schreibtisch freigeräumt und das Handy außer Reichweite gelegt werden.

Entscheidend ist, herauszufinden, welche Lernstrategie zu welchem Schüler und welcher Aufgabe passt.

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Welche Lernmethoden gibt es?

– Nicht jede Methode passt zu jeder Aufgabe

Wer Vokabeln lernen möchte, braucht eine andere Strategie als jemand, der einen komplizierten Sachtext verstehen oder sich auf eine Mathearbeit vorbereiten muss.

Beim Lernen lernen geht es deshalb nicht darum, die eine perfekte Lernmethode zu finden. Vielmehr sollte ein Schüler verschiedene Wege kennen und herausfinden, welche Methode bei welcher Aufgabe funktioniert.

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Fünf grundlegende Wege, sich mit Lernstoff auseinanderzusetzen:
  • Auditiv: Lernstoff hören, laut vorlesen oder sich selbst etwas vorsprechen.
  • Visuell: mit Bildern, Skizzen, Mindmaps, Farben oder Schaubildern arbeiten.
  • Taktil-motorisch: Dinge ausprobieren, anfassen, aufschreiben oder Bewegung ins Lernen bringen.
  • Verbal-logisch: Texte lesen, Zusammenhänge analysieren, strukturieren und in eigenen Worten zusammenfassen.
  • Kommunikativ: über Lernstoff sprechen, Fragen stellen oder jemand anderem erklären, was man verstanden hat.

Dabei muss sich kein Schüler für „seine“ eine Lernmethode entscheiden. Im Gegenteil: Häufig funktioniert Lernen besonders gut, wenn verschiedene Methoden miteinander kombiniert werden.

Wer beispielsweise einen Text liest, anschließend eine Skizze dazu zeichnet und das Gelernte danach jemandem erklärt, beschäftigt sich auf ganz unterschiedliche Weise mit demselben Inhalt.

Entscheidend bleibt am Ende die Frage: Kann ich es wirklich – oder habe ich es nur angeschaut?

Um das herauszufinden, hilft ein einfacher Test: Buch zu, Unterlagen weg und versuchen, das Gelernte selbst wiederzugeben oder anzuwenden.

Warum lerne ich überhaupt?

Nicht zuletzt kommt die Frage nach dem WARUM.

Lernen lernen heißt nämlich auch, mit der eigenen Lust und Unlust, dem Widerstand gegen das Lernen, dem Gefühl eigener Unfähigkeit und der Freude an Erfolgen umzugehen.

Ein Schüler, der denkt „Das kann ich sowieso nicht“, braucht nicht zwingend noch eine bessere Karteikarte.

Vielleicht muss zunächst herausgefunden werden, warum er an dieser Stelle nicht weiterkommt.

Fehlt Wissen? Ist die Aufgabe nicht verstanden? Ist der Stoff zu groß? Fehlt ein Anfang? Oder ist nach mehreren Misserfolgen schlicht die Überzeugung entstanden, dass sich die Anstrengung sowieso nicht lohnt?

Wer diese Unterschiede erkennt, kann anfangen, etwas daran zu verändern.

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4 Dinge, die das Lernen leichter machen

Konkret statt „Ich muss lernen“
Ein konkretes Ziel macht den Anfang leichter: lieber drei Aufgaben lösen als einfach „Mathe lernen“.

Lernzeiten fest einplanen
Feste Lernzeiten schaffen Routine – und ersparen die tägliche Diskussion mit sich selbst.

Wissen aus dem Kopf holen
Buch zu! Wer Gelerntes ohne Hilfe wiedergibt, merkt schnell, was wirklich sitzt.

Pausen gehören dazu
Bewusste Pausen bringen neue Energie und helfen, danach wieder konzentriert weiterzulernen.

Lernen lernen mit den Überfliegern

Beim Lernen lernen geht es deshalb darum, gemeinsam herauszufinden, welche Strategien funktionieren, diese auszuprobieren und so lange anzupassen, bis der Schüler sie selbstständig einsetzen kann.

Erst dann kann Lernen fruchtbar und erfolgreich werden – und die Frage nach dem „Lernen lernen“ jeden Nachmittag aufs Neue produktiv beantwortet werden.

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Häufige Fragen

zum Lernen lernen

Richtig lernen bedeutet vor allem, den Lernstoff nicht nur anzuschauen, sondern ihn aktiv zu verarbeiten und anschließend zu überprüfen, was tatsächlich hängen geblieben ist.

Welche Methode dabei funktioniert, hängt vom Lernstoff und von Ihrem Kind ab. Entscheidend ist, dass Lernen aktiv wird: erklären, anwenden, wiedergeben und überprüfen – statt den gleichen Text einfach immer wieder zu lesen.

Das können beispielsweise Karteikarten, regelmäßige Wiederholungen, eigene Zusammenfassungen, Visualisierungen oder das Erklären eines Themas in eigenen Worten sein.

Entscheidend ist weniger die Anzahl der Methoden als die Fähigkeit, die passende Lernmethode für eine konkrete Aufgabe auszuwählen.

Lernstoff bleibt eher hängen, wenn er verstanden, mit vorhandenem Wissen verbunden und anschließend mehrfach aktiv abgerufen wird.

Regelmäßige Wiederholungen mit zeitlichem Abstand sind deshalb sinnvoller, als den gesamten Stoff erst kurz vor einer Klassenarbeit auf einmal zu pauken.

Oft hilft es schon, aus einem großen und unübersichtlichen Vorhaben eine kleine, konkrete Aufgabe zu machen.

Statt „Du musst noch Mathe lernen“ könnte das Ziel beispielsweise lauten: „Löse zunächst drei Aufgaben zur Bruchrechnung.“

So fällt der Anfang leichter – und der erste Erfolg lässt nicht so lange auf sich warten.

Selbstständiges Lernen entsteht schrittweise.

Schüler müssen lernen, Aufgaben selbst zu planen, Schwierigkeiten zu erkennen, geeignete Strategien auszuwählen und anschließend zu überprüfen, ob diese funktioniert haben.

Das Ziel ist nicht, dass ein Schüler keine Unterstützung mehr bekommt. Sondern dass er immer besser weiß, wann und wobei er sie überhaupt braucht.

Illustration im Header: Vijay Verma Ouch!

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